Die Geschichte von JUVANDIA – der Diakonieverbund e. V.
Die Entstehungsgeschichte von JUVANDIA
Die Anfänge von JUVANDIA – der Diakonieverbund e. V. (ehemals Diakonieverbund Schweicheln e. V.) reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück. Aufgrund des gemeinsamen Hauptstandorts teilen sich der Verein und die heutige Evangelische Jugendhilfe Schweicheln gGmbH lange Zeit dieselbe Geschichte, bis es zur Dezentralisierung und Abgrenzung des Vereins von der Gesellschaft kommt.
Die Anfänge in Bethel
Den Ausgangspunkt des heutigen Vereins JUVANDIA markiert die Einweihung des Kleinkinderwaisenhauses „Zum guten Hirten“ im Jahr 1876 in Bethel, in den Pastoren verwaiste Kinder aufnahmen. Das Waisenhaus zog zunächst nach Bielefeld um und bezog schließlich 1893 einen Neubau am Zionswald. Finanziell unterstützt wurde dieser maßgeblich durch ein Grundkapital von 6.000 Mark aus privater Hand.
Um ähnliche Vorhaben in Zukunft besser finanzieren zu können, wurde der Evangelisch-Kirchliche Erziehungsverein Minden-Ravensberg gegründet. Seine Aufgabe war es, „sittlich verwahrloste Kinder“ aufzunehmen und im Waisenhaus unterzubringen.
Der Verein wächst
In den folgenden Jahrzehnten weitete der Verein seine Angebote und sein Gelände stetig aus, sodass er bereits 1901 in „Evangelisch-Kirchlicher Erziehungsverein der Provinz Westfalen“ umbenannt wurde, in dem alle Kirchengemeinden in Westfalen Mitglied wurden. Im frühen 20. Jahrhundert gelangten das heutige Hauptgelände, der Eickhof in Schweicheln, der Homberghof in Herford-Falkendiek und der Buchenhof in den Besitz des Vereins. Mitte der 1950er-Jahre ergänzte das neu erbaute Matthias-Claudius-Haus das Angebot. Die Standorte wurden in den folgenden Jahren kontinuierlich erweitert.
Pädagogik im Wandel
Auch die pädagogische Arbeit hat sich im Laufe der Zeit deutlich verändert. Von den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war sie von starken Umbrüchen geprägt. Während die Anfänge der Heimerziehung vor allem von Beten, Arbeiten und harten Erziehungsmaßnahmen bestimmt waren, war die Pädagogik in den 1920er Jahren deutlich fortschrittlicher. In der Zeit des Nationalsozialismus fiel sie jedoch wieder in alte Strukturen zurück. Erst nach dem Krieg wurden diese Strukturen abgelegt und reformpädagogische Ansätze erneut aufgegriffen.
Beginn der Dezentralisierung
Der nächste wichtige Meilenstein des Vereins folgte im Jahr 1964 mit der erneuten Umbenennung in „Evangelische Jugendhilfe Schweicheln e. V.“. Damit wurde auch der Ausbau des Geländes in Schweicheln fortgesetzt. So entstanden unter anderem eine Turn- und Schwimmhalle für die eigene Schule sowie die Eickhof-Siedlung mit elf Gruppenhäusern.
Unter der Leitung von Dr. Klaus Münstermann begann 1983 eine Neustrukturierung der damaligen Einrichtungen. Zwei Jahre später erfolgte mit der Gründung von zwei Außenwohngruppen in Herford und Bünde der erste Schritt zur Dezentralisierung. Die neue pädagogische Leitung unter Rainer Kröger setzte das dezentrale Konzept schließlich 1986 auf allen drei Höfen des Vereins um.
Die ersten überregionalen Einrichtungen
1990 entstand mit der Evangelischen Jugendhilfe Bochum die erste Einrichtung des Vereins, die autonom zu den Angeboten rund um Schweicheln war. Zwei Jahre später übernahm der Verein das Lotte-Pulewka-Heim in Geltow/Brandenburg und etablierte mit der „Evangelischen Jugendhilfe Geltow” die zweite überregionale Einrichtung.
Im Zuge von Satzungs- und Strukturveränderungen wurde der Verein in einem nächsten großen Veränderungsschritt in „Diakonieverbund Schweicheln e. V.“ umbenannt. Die ortsansässigen Einrichtungen firmierten fortan unter „Evangelische Jugendhilfe Schweicheln“. Der Trägerverein verwaltete nun insgesamt drei Einrichtungen.
Die junge Vergangenheit
Mitte der 1990er-Jahre entstand aus der Evangelischen Jugendhilfe Geltow die Einrichtung „Evangelische Jugendhilfe Berlin-Marzahn/Hellersdorf“. Diese stellte zunächst ausschließlich Angebote im Bereich des Betreuten Wohnens bereit. Ein Jahr später wurde mit der neu gegründeten Evangelischen Jugendhilfe Münsterland gGmbH eine weitere Gesellschaft in Nordrhein-Westfalen Teil des Vereins. Sie entstand in Zusammenarbeit mit dem Diaspora-Werk des Münsterlands e. V. und ging aus dem Zusammenschluss von Einrichtungen in Nordwalde, Steinfurt, Hörstel und Borken hervor.
Zum Beginn des neuen Jahrtausends wurden Hanna Gmeinwieser und Rainer Kröger im Jahr 2000 zum ersten hauptamtlichen Vorstand des Vereins berufen. Zwei Jahre später erhielt der Diakonieverbund seinen ersten eigenen Internetauftritt.
Wachstum im neuen Jahrtausend
In den frühen 2000er-Jahren erfolgte eine breitere Aufstellung des Vereins in Deutschland.
Zwar musste die Evangelische Jugendhilfe Marzahn-Hellersdorf im Jahr 2004 infolge drastischer Kürzungen durch den Berliner Senat zahlreiche Plätze im Betreuten Einzelwohnen abbauen. Um die Arbeit im Bereich Erziehung vor Ort wieder zu stärken, wurde jedoch bereits ein Jahr später gemeinsam mit dem Jugendwerk Aufbau Ost e. V. (JAO e. V.) die gGmbH „KileLe – Kinder lernen Leben” gegründet.
Im Jahr 2005 entstand mit der ProMensch gGmbH zudem eine hundertprozentige Tochtergesellschaft des Diakonieverbunds, die kleinere Projekte umsetzte.
2008 folgte in Berlin die Gründung der abw gGmbH, einer gemeinnützigen Gesellschaft für Arbeit, Bildung und Wohnen, gemeinsam mit dem abw e. V.. 2011 wurde schließlich die Evangelische Stiftung Dialog für innovative Kinder- und Jugendhilfe ins Leben gerufen. Zwei Jahre später kamen die Evangelischen Integrationsbetriebe Schweicheln mit dem Café „Haus unter den Linden” hinzu.
Zeit für JUVANDIA
Ende 2024 wurde in Schweicheln ein bedeutender Schritt für die weitere Zukunft vollzogen: Anfang 2025 wurde aus dem ‚Diakonieverbund Schweicheln e. V.‘ ‚JUVANDIA – der Diakonieverbund e. V.‘ Ziel dieser Umbenennung war ein neuer, zukunftsorientierter Auftritt sowie eine klarere Abgrenzung des Standorts Schweicheln vom Trägerverein. Dies sollte gemeinsam mit der neuen Doppelspitze aus Prof. Dr. Frank Dieckbreder und Dr. Stefan Ziegler umgesetzt werden.
Im Zuge dieses Veränderungsprozesses wurde der Verein auch strategisch und organisatorisch neu aufgestellt. Dazu gehörte unter anderem, die Einrichtungen in eigenständige Gesellschaften zu überführen. Dabei wurde die KileLe gGmbH vollständig an die JAO gGmbH abgegeben.
Im Jahr 2025 wurde außerdem mit der Evangelischen Jugendhilfe Mitteldeutschland eine neue Gesellschaft in Thüringen gegründet, die sich seitdem im Aufbau befindet.
Mit der strategischen Neuausrichtung beginnt für JUVANDIA als Verbund ein weiteres Kapitel seiner Geschichte.
